Die weiße Fahne auf dem Kircheturm



Es ist der 21. April 1945. Die Panzerspitzen der Befreier rücken auf die Stadt vor. Um 8.30 Uhr kommt der Befehl der Kreisleitung, jeden, der weiße Fahnen hisst, sofort standrechtlich abzuurteilen. Um 11.15 Uhr hört man Schüsse, ein irrwitziger Widerstand formiert sich, der einen Bombenangriff auf die Stadt provoziert. Tausende von Menschen sind gefährdet.
Da verlässt Marta Aberle den Keller, holt sich ein weißes Leintuch aus dem Schlafsaal der Polizei und geht - entgegen aller Warnungen – zur Stadtkirche. Es treibt sie der Gedanke an die vielen Verwundeten in den zu Lazaretten umfunktionierten Schulen.
Oben auf dem Kirchturm, befestigt sie das Leintuch, dabei beschossen aus Gewehren von drei Tuttlinger Männern, die sie kennt, deren Namen sie niemals nennen wird. Sie zählt achtzehn Einschläge. In diesen Sekunden fallen ihr die Worte Jesu ein: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

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