Die Yelin-Bilder an der Kanzelwand



1893 wurden die Bilder in Auftrag gegeben bei Rudolf Yelin dem Älteren (der Jüngere hat das Fresco in der Tuttlinger Martinskirche geschaffen). Fritz Hummel aus Reutlingen hat die Kanzelwand im Stil der Renaissance gestaltet.

„Gethsemane“ in der Nacht vor Jesu Tod. Der Frühlingsvollmond wirft sein Licht auf die gespenstische Szene. Jesus schwitzt Blut und Wasser in seiner Todesangst. Seine Jünger haben ihn innerlich längst verlassen. Ein Engel Gottes erscheint ihm und stärkt ihn.

Das andere Bild, „Himmelfahrt“, heller Tag, Mittagszeit, alles überstrahlt von hellem Licht, das von oben kommt.

Die kleinen Bilder in Silikattechnik darunter - Kindersegnung und Kreuztragung - ergänzen die Aussage der großen Bilder zu einer Predigt über das Erlösungswerk Christi.

Gott wird Mensch, weil er nicht mehr ansehen kann, wie Menschen sich das Leben zur Hölle machen. Er begibt sich selbst in diese Hölle hinein und wird den Menschen ein solidarischer Mitmensch, ein Gott, der sogar ihren Tod stirbt. Das führt ihn in einen inneren Kampf. Aber: Jesus liebt konsequent bis in den Tod.
Er entreißt dem Tod das letzte Wort über die Menschen. Das letzte Wort hat Christus.
Die Folgen des Leidens zeigt das Bild „Himmelfahrt“: Nun steht er als der Auferstandene den Menschen zur Seite. Auch uns. Er gibt seinen Jüngern den Befehl, aller Welt das Heil zu bezeugen. Und die Kindersegnung zeigt, wem das Heil, das von diesem Geschehen ausgeht, gilt: Den Kindern – Sinnbild für die Kleinen, denen Wert und Würde abgesprochen wird, die Unterdrückten, die unter der Last des Lebens gekrümmt gehen. Denen will Christus den aufrechten Gang schenken.
Der Gemeinde wird gesagt: Ihr seid zum Heil berufen. Als Gesegnete, sollt ihr den Segen weitertragen. So endet der Gottesdienst in der Kirche nie an der Kirchentür. Er geht weiter vor den Türen der Kirche, im Alltag der Welt.

Und vor allem thront das Kreuz.
Christen feiern unter dem Kreuz (welch ein Irrsinn!), weil sie wissen, dass es ihr den aufrechten Gang ermöglicht. Sie singen Loblieder vor dem Kreuzweg, weil der eben auch zum Leben gehört. Sie solidarisieren sich mit den Rechtlosen, weil Jesus ihnen seine Liebe schenkt.

Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.
In die Nacht der Welt hast du uns gestellt,
deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit, mitten in dem Leid,
lass uns deine Boten sein.
Der Kehrvers wird nach jeder Strophe wiederholt.

In das Leid der Welt hast du uns gestellt,
deine Liebe zu bezeugen.
Lass uns Gutes tun und nicht eher ruhn,
bis wir dich im Lichte sehn.
Text und Melodie: Peter Strauch 1978

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