Der alte Taufstein im Taufstein



Ein alter Taufstein. Der Taufstein der Kirche von 1903 – im typischen Jugendstil gehalten. Er sollte zerstört werden. Die Leute wehrten sich dagegen, denn er ist ihnen heilig. Ein Denkmal eben. Man erinnert sich an seine Taufe. Mit seiner spielerischen Verzierung des Jugendstils sagt der Stein: „Die Taufe schenkt dir den Eintritt ins Paradies.“ Wie ein Brunnen spendet der Stein das Wasser des Lebens.

Der Stein ist aber massiv, schwer wie ein Fundament, ein Fundament des Lebens, nicht umzuwerfen. Das dachte auch der gut gekleidete Mann, der eines Tages in die Kirche kam. Man sah in seinen Augen, dass etwas sein Leben aus dem Gleis geworfen hatte. Unruhig ging er in der Kirche umher, als ob er etwas suchte. Dabei weinte er, schluchzte vernehmlich. Dann verließ der das Kirchenschiff. Der Beobachter sah ihn später vor dem Taufstein knien. Mit beiden Händen hielt er sich daran fest, sich erinnernd an seine Taufe, an das Fundament seines Lebens, jetzt, wo ihm alles zu zerbrechen schien. Der Taufstein sagt: „Gott sagt Ja zu mir: Das steht fest – egal, was passiert!“ Könnten wir das auch sagen: Gott steht zu mir, egal was passiert?

Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

Mein treuer Gott, auf deiner Seite
bleibt dieser Bund wohl feste stehn;
wenn aber ich ihn überschreite,
so lass mich nicht verlorengehn;
nimm mich, dein Kind, zu Gnaden an,
wenn ich hab einen Fall getan.
Text: Johann Jakob Rambach 1735

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