Blick ins Kirchenschiff



Der Jugendstil der Tuttlinger Stadtkirche überrascht. Die warme fast mediterrane Farbstimmung gibt dieser Kirche ihr ganz eigenes Gepräge. Die klaren Linien des Raumes muten an einen Festsaal an - ein Festsaal für die Seele. Das war nicht immer so.

Templum Tuttlingense – Das Ideal der Ursprungskirche von 1815 lehnte sich an antike Gottesvorstellungen an: Gott ist da und er kann besucht werden im Tempel.  In einfachen Formen der Antike baute man einen Tempel zur Gottesanbetung, schlicht, nüchtern. Aber man ist geborgen, behütet – wie in einem mächtigen Schiff, einer Arche. Das Schiff aber ist gleichzeitig das himmlische Jerusalem: In diesem Templum Tuttlingense sind nämlich die zwölf Tore. Die Kirche sagt: „So wird es einmal sein im himmlischen Jerusalem. Seid getröstet! Gott wird abwischen alle Tränen, kein Leid! Der Tod wird nicht mehr sein. Die Klage verstummt.“ Das Paradies. Sinnbild der Fülle und des Lebens. Wie die Blüten- und Blattornamente oben an den Säulen, an der Emporenbrüstung, an der Orgel und der Decke. Alles in diesem Raum sagt: „Tritt ein ins Leben! Es wartet die Fülle auf dich!“ Und die vielen Engel in der Kirche (keiner hat sie je gezählt) sagen: Du bist behütet!

Tut mir auf die schöne Pforte,
führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte
meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht,
hier ist lauter Trost und Licht.

Ich bin, Herr, zu dir gekommen,
komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen,
da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein,
lass es deinen Tempel sein.
Text: Benjamin Schmolck 1734

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